Die Gruber Kirche
Die Gruber St. Jürgen Kirche von 1232

Die Kirche, die von Anfang an unter landesherrlichem Patronat stand und blieb, wurde als eine „Kasten-Saal-Kirche” ohne abgesetzten Chor gebaut. Sie wurde nach dem Heiligen „St. Georg” (niederdeutsch = St.- Jörg, hochdeutsch = St. Jürgen) benannt. St. Georg war zur damaligen Zeit ein beliebter Heiliger der Burgkirchen und Schutzpatron der Bauern und Soldaten, der beherzt das Böse und damit symbolisch den Teufel bekämpfte. Auch für die Kranken und Aussätzigen war er Schutzheiliger, wie man es heute noch an anderen Orten, in Neustadt und Burg a. F., feststellen kann.
Ein altes mit dem Bild des Drachentöters St. Georg aufweisendes Kirchensiegel, vermutlich Ende 14.-/ Anfang 15. Jahrhundert gearbeitet, liegt heute im Gruber Museum. Nicht auszuschließen ist auch, dass Burg und Kirche fast zeitgleich entstanden.
St. Jürgen Kirche zu Grube
In einer weiteren Urkunde vom 25. Januar 1262, bezeugt Johannes de Grobe zusammen mit „Johann de hilgenhaue” (Heiligenhafen) und „Thiederiko de Bosoue” (Bosau) den Verkauf des Dorfes „Ripegkesdorpe” (Riepsdorf) an den Bischof Johannes von Lübeck durch die Gebrüder Johannes und Hanso von Qualle. In dieser Urkunde wird Johannes de grobe als „plebanus” (Leutepriester) bezeichnet, d. h. er war zu der damaligen Zeit Priester und übte in Abwesenheit des Pastors die Seelsorge aus.Das Kirchspiel Grube sonderte sich schon sehr früh (vermutlich im ersten Drittel des 13. Jahrhundert) als erstes von der Mutterkirche in Oldenburg ab und behielt auch nach dem Tausch im Jahre 1460 zwischen Detlef v. Buchwald und dem Kloster Cismar das landesherrliche Patronatsrecht, wie die Herrenloge von 1657 in der Kirche noch zeigt.
Die St. Jürgen Kirche liegt auf einem runden, von einer Feldsteinmauer eingefassten, Kirchhof, der bis zur Einrichtung eines Begräbnisplatzes am 03. April 1809 in der heutigen Hauptstraße/Dahmer Weg, auch Friedhof war. Sie bildet den Mittelpunkt der um sie herum gebauten Kirch- aber auch Profanbauten. Sie entspricht in ihrer gotischen Bauform einer längsrechteckigen Kastensaalkirche mit drei 0stfenstern, Stützpfeilern, Süder- und vermauertem Nordportal, Kreuzblende im Ostgiebel und barockem Dachreiter. Angefügt sind ein spätgotischer Westturm mit Portal- und Walmdach und ein gotisches Vorhaus (Südseite) mit blendengeziertem Giebel.
Teile der in Rotstein ausgeführten Kasten-Saalkirche ohne abgesetzten Chor gehen bis in die 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Vermutlich um 1460 wurde die Kirche in großen Bereichen neu errichtet. Aus dieser Zeit stammen auch die Außenmauern mit den gotischen Fenstern und Torbögen sowie der Altar. Der vermutlich in Lübecker Werkstätten gearbeitete Flügelaltar ist geöffnet ein Schnitzaltar und zeigt bei geschlossenen Flügeln wertvolle Tafelmalereien.
Die heutige uneinheitliche Baugestalt der Kirche weist auf die vielen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte hin.
Durch einen starken Sturm im Jahre 1904 erlitt die Kirche starken Schaden, und, da die Schäden nur unzureichend behoben werden konnten, ereignete sich am 25. Februar 1718 die Katastrophe. Bei einem starken Orkan, der über Grube hinwegfegte, stürzte der Glockenturm in das Kirchenschiff und die Hälfte des Kirchenbaues wurde zerstört und die Glocken stark beschädigt. Eine umfangreiche Renovierung des Mauerwerks, des Kirchdaches, des Turmes und der Fenster konnte auch, wie auch schon 14 Jahre zuvor, aus Geldmangel - die Folgekosten des „2. Nordischen Krieges” (1700 - 1721) drückten noch immer das Staatssäckel - erst zwischen den Jahren 1751 und 1779 durchgeführt werden. Die Südwand zeigt im Vergleich zur Nordwand noch den originaleren Zustand aus gotischer Zeit mit hohen Spitzbogenfenstern in annähernd ursprünglicher Gewändefassung. Früh datiert ist auch die scheitelgleiche »Dreier-Fenstergruppe« im Osten. Im Jahre 1852 wurde nicht nur das Nordportal zugemauert, sondern auch im Inneren die Ausstattung und der Altar stark verändert.Im Jahre 1921 wurde das Äußere und Innere der Kirche im Detail vermessen und auf neun Blättern maßstabsgerecht niedergelegt. Ob dieses eine Vorarbeit für die im Jahre 1930, nach denkmalpflegerischen Grundsätzen der damaligen Zeit, erfolgte große Renovierung des Kircheninneren darstellte, bleibt abzuklären.
Im Januar / Februar 1951 beschloss der Gruber Kirchenvorstand, den um die Kirche liegenden Friedhof, dessen Gräber zum größten Teil verjährt waren, einzuebnen. Man beabsichtigte, dem altehrwürdigen Gotteshaus durch Schaffung von Grünanlagen einen würdigen Rahmen zu geben. Die Grabsteine, die verjährt waren, sollten bis zum 1. März entfernt werden. Ab dem Jahre 1577 war dem jeweiligen Hauptpastor ein Zweitpastor (Compastor) zur Seite gegeben. Der Compastor war unter anderem für die Kirchenarbeit in Cismar - hier war der Amtssitz der Amtmänner und späteren Landräte - zuständig und musste den beschwerlichen Weg nach Cismar jeweils mit Pferd und Wagen bewältigen.
Der erste Pastor wohnte jeweils im Hauptpastorat, der zweite Pastor in dem schräg gegenüberliegenden Compastorat.
Die Pfründe der Gruber Pfarrstelle waren zu allen Zeiten sehr groß. Schon im Jahre 1314 gehören Altratjensdorf, Dahme, Dorne, Gosdorf, Grube, Gruberhagen, Guttau, Kellenhusen, Klenau, Morest, Prisow, Priwitz, Rüting, Siggeneben, Süssau und Thomsdorf beiderseits des Gruber Sees zu dem Gruber Kirchspiel.
Zur heutigen Kirchengemeinde Grube gehören die Ortschaften Altratjensdorf, Dahme, Fargemiel, Siggeneben, Süssau, Thomsdorf und die Güter Augustenhof, Kalkberg, Rosenfelde und Rosenhof. Mit der 1964 eingeweihten Geroldskapelle in Dahme, bekam die alte St. Jürgen-Kirche einen kleineren Bruder hinzu.
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